Autor: Orla Danz (Seite 1 von 2)

Orla Danz, geboren 1938 als Tochter eines Pfarrers in Gotha. 1956 Abitur, anschließend bis 1960 Theologiestudium in Jena. Ebenfalls 1960 Verheiratung mit einem Pfarrer, drei Kinder.

In den 70/80 er Jahren Beginn des Schreibens, zunächst in den Kirchenzeitungen “Die Kirche” und “Glaube und Heimat” als Artikel, Meditationen, Gedichte.

In den folgenden Jahren eigene Veröffentlichungen, eigene Lesungen und Teilnahme an Autorenlesungen in Mühlhausen, Bad Langensalza, Gotha, Erfurt.

Im Anschluss an Prosaerzählungen dann nur noch ausschließlich Gedichte, die z.T. bei Wettbewerben eingereicht wurden. Antrieb zum Schreiben bildeten eine lebenslange chronische Krankheit und schließlich der christliche Glaube.

Monatsspruch für Februar

Sara aber sagte: Gott ließ mich lachen

1. Mose 21, 6

Da gibt es das gute Lachen, das fröhliche, anerkennende. Aber da gibt es auch das böse Lachen, das des Spotts …

Als ich etwa in die fünfte Klasse ging, gehörte zur Klassengemeinschaft eine schüchterne, außerdem leistungsschwache Schülerin. Keiner traute ihr etwas zu. Eines Tages wurde sie an die Tafel gerufen, um eine Rechenaufgabe zu lösen. Nicht lange Zeit währte es und das Mädchen schrieb die richtige Lösung an die Tafel. Ein Sturm des Lachens brauste durch die Klasse.

Lachten wir alle aus Freude über ihre Leistung, die ihr niemand zugetraut hatte? Oder zeigte sich das Lachen in Form von Spott und Gehässigkeit? 

    Die Bibel weiß von den verschiedenen Arten des Lachens – als Ausdruck de Freude, der Sicherheit und auch des Spotts.

   Sara, die Frau Abrahams, erlebte einmal solch eine Situation, in der ihr nicht klar wurde, ob die Nachbarn und Freunde über sie lachten oder aber fröhlich mit ihr lachten. 

Denn sie war wie auch Abraham sehr alt, als Gott sie wissen ließ, dass sie ein Kind zur Welt bringen werde. Sara entfuhr dabei ein leises Lachen, wohl aus einer gewissen Ungläubigkeit heraus. Und sie dachte an alle, die sie kannten und fürchtete deren spöttisches Gelächter.

Aber es kam anders. Ihre Freude über den neugeborenen Jungen teilten alle mit ihr.

„Gott hat mir ein Lachen zugerichtet“, so vermochte sie nach der Geburt ihres Kindes voll Dankbarkeit  zu sagen. „Alle, die davon hören, werden sich mit mir freuen“. Gott hatte dem Paar zudem eine große Nachkommenschaft verheißen –  das Volk Israel.

Und Sara, bis vor kurzem noch eine unbedeutende Frau, würde die „Urmutter“ von Gottes Volk werden.

Zu Saras Lachen gehört dann auch der Name ihres Kindes: Abraham hatte ihn Isaak genannt,

was so viel wie „er lacht“ heißt oder „Gott hat zum Lachen gebracht“, also zur Freude, auch über Gottes eingehaltenes Versprechen.

   Es ist (s.o.) nicht immer leicht, besonders im Alten Testament, das Lachen richtig einzuschätzen. Es mag manchmal „den Anklang von Unbedachtem und spöttischer Aggression“ haben; der Theologe Max Lühl hat darüber in seiner Schrift „Lachen als anthropologisches Phänomen“ gearbeitet.

Für unseren Monatsspruch aber bedeutungsvoll ist die Tatsache, dass, wenn Gott unwirklich Erscheinendes verspricht, dies auch einhält – zur Freude der Betroffenen.

Monatsspruch Januar

Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut.

Mose 1,31

Zu Beginn eines neuen Jahres wünschen wir einander Glück und Segen für das noch im Dunkel der Zukunft vor uns liegende Jahr

Da mutet es schon ein wenig überraschend an, wenn zum Monatsspruch Januar ein letzter Vers aus dem Schöpfungsbericht vorgeschlagen ist.

Gott hatte alles, was zur Natur gehört, Himmel, Erde, Meere, alle Tiere und zum Schluss zwei Menschen geschaffen. Es war der sechste Tag.Und Gott besah sich sein Werk, seine Schöpfung, und er war zufrieden: es war sehr gut.

Nicht alle Worte in 1. Mose 1 sind buchstäblich zu verstehen, sondern wollen sinnbildlich aufgefasst werden,

Wenn das Wort „herrschen“ im Schöpfungsbericht vorkommt, ist dies nicht als Ausdruck der Machtgebärde zu verstehen, sondern es meint liebevoll „bewahren, lieben, schützen, pflegen“.

Gott gebot den Menschen in 1. Mose 1: „herrscht über Fische, Vögel, alles Getier“, über die ganze Schöpfung, womit er meint „schützt und bewahrt sie, liebt sie!“

Hier wird das Anliegen unseres Monatsspruchs sichtbar:

Das neue Jahr möge uns Menschen lehren, umzudenken in allem, was die Schöpfung betrifft.

Das beginnt beim Wegwerfen von Nahrungsmitteln, wie überhaupt bei der gesamten Wegwerf“kultur“(verwertbare Lebensmittel sollten die „Tafeln“ in unserem Land erhalten!).

Das Umdenken setzt sich z.B. fort beim Hobby-Gärtnern, wo man im Sommer „Un“kraut und im Winter Kleinstlebewesen zu Leibe rückt, und weiter beim rücksichtslosen Lebensstil, der in minimal gehaltener Form so viel Hilfe den Bedürftigen zukommen lassen könnte.

Und das alles endet nicht an den gerade in diesem Winter begonnenen notwendigen Energiesparmaßnahmen.

Unsere Glück – und Segenswünsche zum Neuen Jahr müssten also einen zusätzlichen Inhalt zum bereits zur Norm gewordenen Gesundheitswunsch beinhalten:

Ich wünsche ein rücksichtsvolleres Verhalten gegenüber Mensch und Tier; ich wünsche Frieden für die gesamte Welt; ich wünsche ein neues Nachdenken und Handeln in Bezug auf Gottes Schöpfung.

Vielleicht kämen wir alle Gottes Betrachtung seiner Schöpfung ein wenig näher, wenn wir eines Tages sagen könnten: es ist sehr gut.

Lasst uns aber bei all dem Nachdenken über Achtsamkeit und positive Verhaltensänderungen den DANK an Gott nicht vergessen!

Monatsspruch Dezember

Der Wolf findet Schutz beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Junge leitet sie.

Jesaja 11, Vers 6

In gut drei Wochen feiern wir Christi Geburt, das Weihnachtsfest. Bilder stehen vor unserem inneren Auge auf: die Krippe, Maria und Josef, sowie Ochs und Esel.

Maler aller Jahrhunderte haben diese Gruppe gemalt und jede von ihnen ist vom gleichen Thema bestimmt, wenn auch in den verschiedensten Darstellungen.

Und nun wird uns für den Weihnachtsmonat so ein ganz anderes Bild zu bedenken gegeben:

Die faszinierende Friedensvision des Propheten Jesaja; nichts wünschen wir uns sehnlicher, als dass Unmögliches möglich werde.

Das Zusammenleben von Lamm (Sinnbild für Hilfsbedürftigkeit) und Wolf meint den starken bildlichen Ausdruck für den Frieden in Gottes Reich.

Dieses Bild zusammen mit den beiden anderen – Raubtier und Opfertier – muten utopisch an und stehen für die Aufhebung tödlicher Feindschaften.

Und der kleine Junge, zunächst zum Raubgut geworden, erfährt Hilfe und neue Möglichkeiten für sein junges Leben.

Jesaja, der Prophet, hält inmitten von Chaos und brutaler Gewalt eine beinahe paradiesisch scheinende Welt als eine neue Wirklichkeit und eine befreiende Zukunft für möglich.

Es gibt viele Bilder mit dieser so ganz anderen Darstellung unseres Monatsspruchs. Und dennoch stellen sie die Botschaft der Weihnacht ebenso dar als Hort des Friedens wie die uns bekannten alten, schönen Bilder und Lieder.

Diese Botschaft weiß von der Feindschaft, aus der Freundschaft erwächst, weiß von dem Kummer, der sich in Freude wandelt, von der Trauer, die langsam annehmbar wird, von der Armut, die sich zu materieller Sicherheit bessert, von der Obdachlosigkeit, der die Geborgenheit folgt, vom Dunkel, das zum Licht erhellt und endlich – vom Krieg, der zum Frieden führt.

Und immer sind es Menschen, die das Eine wie das Andere vertreten und ausführen.

Die Friedliebenden unter ihnen sind Menschen des Lichts. Die Welt ist voll von ihnen und weil sie im Geiste Jesu ihr Leben gestalten, können wir sie „Heilige“ nennen.

Einer von ihnen ist uns allen bekannt. Wir feiern am 6. Dezember seinen Gedenktag, Nikolaus von Myra, geboren um 270 n. Chr. – ein Freund besonders der Kinder.

Für die gegenwärtige Zeit bitten wir auch um Heilige, die es vermögen, den schrecklichen Krieg zu einem Ende zu führen und die Hilflosigkeit schließlich mit der Gewalt zu versöhnen.

Es wird dies unser größter Wunsch für ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest sein:

EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE UND FRIEDE AUF ERDEN …

Monatsspruch November

Wehe denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen …

Jesaja 5, Vers 20

„Wehe euch, wenn das noch einmal vorkommt“, ein aufgebrachter Nachbar schimpft mit den Kindern, die nebenan Ball spielen und nun aus Versehen den Ball über des Nachbars Zaun geworfen haben.

Dieses „wehe“ droht Konsequenzen an.

Der Mann ist der Meinung, dass die Kinder ihn ärgern, ihm Böses antun wollten, dabei hatten sie Gutes im Sinn, als sie einander ständig ermahnten, den Zaun im Auge zu behalten.

    Der Prophet Jesaja spricht im Namen Gottes, allein in diesem 5. Kapitel, ein fünffaches „wehe“ über das Volk Israel aus – Weherufe um seiner Sünden willen.

    In einem amerikanischen Roman von Lynn Austin kommt das Thema unseres Monatsspruches voll zum Tragen. 

Es handelt sich darin um den Einfall der Nationalsozialisten im Mai 1940 in die Niederlande. Eine Gruppe im Untergrund, die nur Gutes im Sinn hatte, nämlich den verfolgten Juden Beistand zu leisten, musste es hinnehmen, gegen ihr eigenes Gewissen Schritte zu gehen, die Gutes in Böses umsetzten.

So stahlen die Mitglieder dieser Widerstandsgruppe beispielsweise Lebensmittelmarken für die verfolgten Juden – Hilfe zum Überleben.

… Ein Auszug aus diesem Buch:

„Herr, diese Arbeit ist notwendig, begann Pieter zu beten … Gott, wenn es dein Wille ist, dann gib, dass alles gut läuft!  Sie schlossen gemeinsam mit dem Vaterunser.

Noch nie hatten die Worte „erlöse uns vom Bösen“ eine so konkrete Bedeutung für Lena gehabt“.

    Die vielen jungen Leute, die ihr eigenes Leben auf ´s Spiel setzten, gerieten oft an ihre ethisch moralischen Grenzen, dazu im Wissen, dass sie letztendlich den Widerspruch zwischen gut und böse allein nicht zu lösen vermochten, um Menschen vor dem Tod durch die Nazis zu bewahren. Doch sie wussten sich in Gottes verständnisvollem Schutz geborgen.

    Am 9. November vor 84 Jahren begannen die Nationalsozialisten Deutschland in das Land der Finsternis zu tauchen. Es war die sogenannte „Kristallnacht“, der Progrom gegen die Juden. Sie hatten bei ihrer Machtübernahme 1933 von einer großartigen, hellen Zukunft für das Deutsche Reich gesprochen.

Dieser Prophezeiung waren Millionen Menschen zum Opfer gefallen.

    Dem „wehe“ des Propheten Jesaja – diesem wichtigen Warnzeichen – steht aber nun am Ende dieses Novembermonats die Hoffnung des 1.Advent gegenüber: 

„Du Tochter Zion, freue dich sehr! …Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer …“

Dieser Spruch des Propheten Sacharja möge die verängstigten Seelen der Menschen überall mit Licht erfüllen!

Monatsspruch Oktober

Groß und wunderbar sind deine Taten, Herr und Gott, du Herrscher über die ganze Schöpfung. Gerecht und zuverlässig sind deine Wege, du König der Völker.

Offenbarung 15, Vers 3

Die Offenbarung des Johannes ist das einzige prophetische Buch im Neuen Testament, entstanden wahrscheinlich zwischen 90 und 96 nach Christus. Es galt zur Zeit der Christenverfolgung im Römischen Reich als ein Buch des hoffnungsvollen Zuspruchs. Eine Offenbarung ist die Offenlegung oder Enthüllung von Dingen, die verborgen sind. Ins Griechische übersetzt kennen wir sie als „Apokalypse“. Und so hat der Autor der biblischen Offenbarung, der Evangelist Johannes, in einer Vision den Auftrag von Christus erhalten,
alles was er sehen wird, aufzuscheiben. (Bekannt ist heute im Volk der Begriff „Apokalypse“als Interpretation des Weltendes). In allegorischen Bildern von Farben, Zahlen und Tieren schildert Johannes in zweiundzwanzig Kapiteln seine Visionen.

Unser Monatsspruch beginnt mit der Schilderung eines Gesangs, den schon Moses und die Israeliten gesungen hatten. Er beschreibt die wunderbare Schöpfung durch Gott, deren Herrscher er ist.

Wir feiern in diesem Monat Erntedank und denken dabei an die Früchte und Farben des Sommers. Wir haben versucht, uns inmitten der Krisen in diesem Jahr dennoch zu erholen und im Urlaub einmal nur die wunderbare Natur zu genießen, ob am Meer oder in den Bergen. Auch wir haben gesungen aus Freude und Dank für so viel Schönes, das uns begegnete. Dankbarkeit als Lebensgefühl! Gottes Schöpfung ist reich und birgt in sich auch die Dinge, die wir allgemein gar nicht als zugehörig verstehen.

So schrieb der Astrophysiker Heino Falcke: „Wir dürfen mit Freude unseren Schöpfer loben“. Das Ziel seiner Arbeit galt den vielen Galaxien aus den Anfängen des Universums. Und zur wunderbaren Schöpfung gehört auch dies alles, für den Menschen nicht weg zu denken, was ihn, was uns ausmacht: unsere Empfindsamkeit, unsere Fantasien, unsere Träume, unsere Emotionen …

Und dennoch muss an dieser Stelle auch an den Sommer dieses Jahres zurück gedacht werden, den so viel Menschen – mehr an der Zahl als die glücklichen Urlauber – in Angst und Not, ja, sogar als Tod erleben mussten. Boote mit afrikanischen Flüchtlingen auf dem Mittelmeer, Flüchtlinge in Lagern, Kriegsgeschädigte und dazu der Hunger als aller Begleiter. „Gerecht und zuverlässig sind deine Wege, du König der Völker“ … wie passt der Vers
zusammen mit den Krisen in der Welt?

So wie wir Menschen an dem womöglich in die Katastrophe führenden Klima Schuld sind, müssen wir uns auch angesichts des Unglücks, das Menschen erleiden, fragen lassen, inwieweit nicht wir selber daran schuldig geworden sind und Verantwortung nicht wahr genommen haben.

Immer mehr Waffen bringen immer mehr Tote im Krieg. Beten wir eigentlich intensiv für das Ende des Krieges, für das Ende der Umstände, die Menschen ins Unglück werfen?

Gott wird gerecht handeln, wenn wir damit beginnen, selber gerecht und verantwortungsvoll zu handeln.

Monatsspruch September

Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit.

Sirach 1, 10

Das Buch Jesus Sirach gehört zu den apokryphen Schriften im AT. Das heißt, es wurde mit verschiedenen anderen Schriften aus dem gesamten Schriftenkanon des späteren Judentums vorchristlicher Zeit ausgeschlossen; dafür gab es mannigfaltige Gründe, deren einer für Luthers etwas mitleidiges Urteil sprechen könnte: „Das sind Bücher, so der heiligen Schrift nicht gleich gehalten, und doch nützlich und gut zu lesen sind“.

Seit der letzten Bibelrevision 2017 sind die Apokryphen jetzt in der Lutherbibel enthalten. 

    Die Ehrfurcht vor dem Herrn ist die Krone der Weisheit, so könnte der Monatsspruch aus dem Sirachbuch auch umschrieben werden. Es lohnt, das gesamte Buch mit seinen  51 Kapiteln zu lesen, um den Begriff der Weisheit, wie Sirach, der große Weisheitslehrer sie meinte, zu verstehen – fast ein „Hymnus“. Hier wird die neue Lebensform der Weisheit vorgestellt.

Sie hat nichts zu tun mit der Weisheit, wie wir sie als Menschen kennen. Wir reden z. B. von der „Altersweisheit“ – damit ist die Weisheit nicht gemeint, mit der Sirach sie darstellt.

In allen Kapiteln beschreibt er sie als die Liebe zu Gott und führt gleichsam in einer wunderbaren, fast lyrischen Bildsprache das gesamte menschliche Leben und das Verhalten in der Gesellschaft vor: 

    Angefangen vom Kapitel über die Eltern, über die Hilfe für Arme, über verantwortliches Reden, über Warnung vor Unrecht, Ehrgeiz und Stolz, über den Tod und vieles andere mehr  bis hin am Ende seines Buches zu den Propheten des Alten Testaments.

   In unsere Zeit des Ukrainekrieges passen treffend die Sätze:“ Wer die Weisheit liebt, der liebt das Leben, wer die Weisheit liebt, den liebt auch Gott“, um anzuschließen: „Wer ihr (der Weisheit) gehorcht, der wird Völker regieren und sicher wohnen“.

   Wenn Sirach das Gebot aufstellt: „Forsche nach ihr und suche sie, die Weisheit!“, so möchte er uns Menschen dazu bewegen, über die Weisheit nachzusinnen und sie in unser ganzes Denken aufzunehmen.

Das alles aber immer mit dem Hintergrund, dass die Liebe zu Gott diese Weisheit ist, auch wenn seine Entscheidungen unergründlich und seine Wege oft unerforschlich sind.

   Das Lied in unserem Kirchengesangbuch „Nun danket alle Gott“ kann man im 50. Kapitel des Buches Sirach in den Versen 22 bis 24 wieder erkennen.

Luther hat diese Verse nach dem lateinischen Text übersetzt und  der Textdichter Martin Rinckart hat um 1636, 12 Jahre vor dem Ende des verheerenden 30jährigen Krieges, diese Verse von Sirach als Grundlage für den Choral auserwählt. 

   Um der Weisheit im biblischen Sinn auch im NT nachzugehen, möge der dritte Vers im 2. Kapitel des Kolosserbriefes diese Betrachtung vervollständigen:

„In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis“ …

Monatsspruch August

Jubeln sollen die Bäume des Waldes vor dem Herrn, denn er kommt, um die Erde zu richten

1.Chronik 16, Vers 33

Ein Spaziergang durch den Wald.

Im Normalfall weichen belastende Gefühle der Leichtigkeit in der Natur. Der Mensch lässt sich ein auf die Freude, die er beim Laufen, Sehen, Riechen, Hören im grünen Wald empfindet. 

Dabei wird ihm zunächst gar nicht bewusst, wie lebennsnotwendig der Wald, die Bäume überhaupt, zum Atmen sind, dazu Schutz und Schatten in großer Hitze.

Wer in der Nähe eines Waldes oder eines großen alten Baumes wohnt, wird bestätigen, dass Bäume jubeln können:

wenn die Äste sich mitsamt den Blättern wiegen, wenn man das Plätschern eines Baches zu hören vermeint, wenn das Gezwitscher der Vöge aufmerken lässt, wenn die Blätter, golden von der Sonne angestrahlt, rascheln, wenn bei ungestümem Wind die Äste knarren und sie mit der gesunden Krone, zuletzt mit dem ganzen Baum zu einem Chor des Jubelns ansetzen.

    Und plötzlich weicht die wunderbare Stimmung. 

Die „Thüringer Allgemeine“ macht auf die neue Sicht aufmerksam: „Der Wald ist im Wandel – eine Katastrophe für die Bäume“ und an anderer Stelle: „… man findet auch jetzt noch Bäume mit unübersehbarer Schädigung“, verheerende Folgen des Hitzesommers 2020 und des Befalls durch den Borkenkäfer – die von Menschen verursachte Klimaveränderung.

    Unser Spaziergang heute durch den Wald gerät schließlich zu mehr Aufmersamkeit, aber auch zu Gefühlen der Trauer, sogar des Entsetzens und dennoch mit dem hoffnungsvollen Blick auf die Aufforstung widerstandsfähigerer Bäume, die einst wieder jubeln lassen sollen.

    Nun aber hat unser Monatsspruch noch einen zweiten Teil, der, wie man auf ´s Erste so liest, nicht zum Beginn des jubelnden Verses passen möchte.

„Gott kommt, um die Erde zu richten.“

 Eigentlich hat sein Gericht in den Wäldern schon statt gefunden, denn an den Klimasünden sind wir Menschen schuld. Haben wir das Sterben der Fichten als „Gericht“ eigentlich bisher überhaupt wahrgenommen?

    Es ist im Zusammenhang mit dem Lobgesang Davids nicht davon auszugehen, dass der Autor des 1. Chronikbuches das Jüngste Gericht mit den so plötzlich erschreckenden Worten meint, denn wenige Verse zuvor ruft er aus: „… die Erde sei fröhlich  … und das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist“.

    Gott ist Liebe und verspricht uns Menschen seine Vergebung für unsere Schuld. So kann sein Gericht nur ein Gnadengericht sein, denn seine Liebe hat Jesus in die Welt gesandt, um zu retten.

Dessen allerdings sollten wir uns bewusst werden. Innere Einkehr und innere Gewissensbefragung sind Gottes Gericht und Rettung zugleich.

(nach Johannes 3, 17)

Monatsspruch Juli

Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.

Psalm 42, Vers 3

Sterile Kälte hüllt mich ein.
Ein Stich in die Vene
Lässt fallen ins Schwarze, Bodenlose;
Wohin bist du, meine Seele,
Indes gegangen,
Wohin mit all den Bedrückungen
Und ich, dennoch – bis hierhin –
Mit Vertrauen in deine Existenz?

Dieser erste Vers eines meiner Gedichte ist dem Monatsspruch gewidmet …

Vor vier Jahren erlitt ich einen schweren Unfall und im Augenblick, als ich bereits auf dem OP-Tisch lag, so gerade noch die Einleitung der Anästhesie wahrnahm, durchzuckte es mich wie ein Blitz: Wohin gehst du jetzt, meine Seele?

Viele Stunden später wusste ich sie wieder bei mir: Frieden und Gelassenheit hatten sich in mir ausgebreitet.

Seit dieser Zeit verbringe ich viel Zeit mit Nachdenken über all das, was über die Seele gesagt und geschrieben wird.

Seit der Antike haben sich Menschen mit ihr beschäftigt, sich gefragt: Einheit mit dem Leib? Einheit mit Geist und Leib? Oder eigenständig? – die Seele?

Paulus gibt die Erklärung, indem er von „Geist samt Seele und Leib“ spricht
(1. Thessalonicher 5, 23).

Das Neue Testament also weiß, dass „Seele“ den ganzen Menschen meint. Ihr Verlust könnte den Tod des Menschen bedeuten, ihre Rückkehr das Leben, das Weiterleben.

Meine aufgeregte Frage im OP-Saal war also gar nicht so bedeutungslos.

Ich benötigte in der angstvollen Situation Zuspruch von Gott, wie es der Monatsspruch ausdrückt: „Die Seele dürstet nach Gott“, nach Trost und Beistand.

Ohne Gottes Zuspruch wird die Seele„verdursten“ und ihren Frieden verlieren, wie es der 17. Vers in den Klageliedern des Jeremias beschreibt: „Meine Seele ist aus dem Frieden vertrieben“.

Für das, was mit der Seele nach des Menschen Tod geschieht, reichen unsere Ahnungen und Erkenntnisse nicht aus. Doch wir Christen glauben ja, dass seine Seele nicht mit dem Körper stirbt, sondern bei Gott aufgehoben ist, was also den Menschen in seinem sterblichen Dasein meint und fortan in seinem neuen von Gott bestimmten Leben.

Profan gesehen zeigt die Seele menschliche Gefühle und Emotionen. Sie kann sich ängstigen, traurig wie fröhlich sein; sie mag recht frohgemut singen.

Ihren hohen Wert, den der Mensch mit ihr besitzt,wird im 26. Vers bei Matthäus im 16. Kapitel hervorgehoben: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nehme doch Schaden an seiner Seele?“

Die Antwort kann nur heißen: „Lasst unsere Seele nach Gott verlangen!“

Monatsspruch Juni

Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod.

Das Hohelied Salomos 8, Vers 6

Um diesen ungewöhnlich klingenden Bibelspruch zu verstehen, muss der Kontext im Alten Testament herangezogen werden. „Das Hohe Lied der Liebe“, wie er auch genannt wird, ist eine Sammlung von etwa 25 bis 30 Liebesliedern, die sich Eheleute – und nur diese – einander zueignen. Ob König Salomo als der Verfasser oder der Empfänger gilt, ist nicht bekannt.

Dass der Spruch speziell für den Sommermonat von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen durch ihre Mitgliedern ausgewählt wurde, schien ihnen jahreszeitlich passend. Sie ahnten nicht, dass eine schwere Pandemie und ein noch stärkerer Krieg die Menschen heute den Sommer nicht als so anmutig empfinden lassen würden, wie ihn sich Verliebte gern für ihre Hochzeit vorstellen.

Und dennoch – so steht nun ein Ehepaar uns vor Augen. Einer der Eheleute bittet den anderen: „Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz und deinen Arm!“
Soll heißen:„Lege mich wie ein Siegel- das Synonym für Unversehrtheit oder Sicherstellung – auf dein Herz! Dies ist der Ort, da die Liebe wohnt, wo der ganze Mensch gemeint ist. Lege mich wie ein ebensolches Siegel auf deinen Arm! Er wird mich fest halten und nicht mehr loslassen. Dies werden mir die Beweise deiner starken Liebe sein!“

Diese Liebe, inbrünstig und leidenschaftlich, aber auch empfindsam und scheu, ist, so meint der Autor unseres Textes, so stark wie der Tod. Eine beinahe unglaubliche Feststellung! Und dass es so im wahren Leben nicht oft der Fall sein wird, hat mit unserem Menschsein zu tun.

Anders aber die Bibel:
Sie vergleicht Eheleute und ihre Verbundenheit mit dem Bund, der Gott und Christus mit der Gemeinde verbindet. Sie verwendet oft das Bild der Ehe, um das Verhältnis Gottes zu seinem Volk zu beschreiben.


So schreibt der Apostel Paulus im Brief an die Epheser „Das Geheimnis ist groß; ich rede von Christus und der Gemeinde“.
Die Liebe sollte auf allen Lebenswegen liebender Ehepaare ein schützendes Siegel sein, eine göttliche Kraft. Und nur mit dieser Kraft Gottes mag sie der Intensität des Todes gleich zu setzen sein.

Monatsspruch Mai

Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohl ergeht

3. Johannes 2, 2

Die Sache mit der Wahrheit – der Jünger Johannes stellt sie an das Ende des ersten Verses im 2. Kapitel.

Deutlicher als in dieser Kriegszeit stellt sich wohl ihre Bedeutung nicht dar. Die Bilder und Texte, die uns die Medien vermitteln – sind sie ehrlich, wahrhaftig?

„Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst“, so weiß es ein Sprichwort.

Der Autor des Monatsspruchs, Johannes legt seinen kurzen Brief dem Ältesten der Gemeinde seines Freundes Gaius in den Mund. Dabei kommt er immer wieder auf den Wahrheitsbegriff zurück. Er freut sich, dass Gaius die Wahrheit in sein Leben integriert hat. Dies schreibt er im Wissen darum, dass es in der Gemeinde des Gaius Schwierigkeiten gibt. Deshalb, so hofft er, wird er die Gemeinde bald besuchen.

Umso erfreulicher als die später im Text beschriebene Problematik aber sind die guten Wünsche des Ältesten an Gaius. Sie klingen wie ein Geburtstagsglück – und Segenswunsch unserer Tage.

Davon ausgehend, dass es seiner Seele gut geht, wünscht er Wohlergehen und Gesundheit.

Voraussetzung für dieses Wohlergehen sieht er in einer gesunden Seele. Damit meint er nicht eine körperliche Funktion, sondern eine stabile Beziehung zu Gott.

Nachrangig also sind Gesundheit und Wohlergehen und dies „in jeder Hinsicht“.

Was meint der Autor damit?

Wir Menschen sind miteinander sozial verbunden; wir lächeln einander bei einer flüchtigen Begenung zu, wir grüßen einander von einer Straßenseite zur anderen, wir legen Hand an, wo ein Mitmensch etwa gerade vor uns zusammen gebrochen ist, wir legen einem Nachbarn, von dessen Leid wir wissen, ein paar Blümchen in den Briefkasten …

Es gibt so viele Möglichkeiten für den Begriff „in jeder Hinsicht“.

Und dennoch, so wie Gaius dies alles gewünscht wird, kann es sich unter uns Menschen nicht in allem erfüllen. Das werden die Gefühle nicht aushalten.

Aber Toleranz einem jeden gegenüber, auch ein Staat dem anderen gegenüber, das muss keine Vision bleiben.

Wir erleben zur Zeit die tödliche Untoleranz und versuchen mit Hilfe unserer Gebete unsere Herzen von Hass frei zu halten. Wir bitten um das Schweigen der Waffen und den ersehnten Frieden.

Erst wenn Gott diese unsere Bitten erfüllt, werden wir an Leib und Seele gesunden.

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